Auf dem Maniototo
Eine neuseeländische Schriftstellerin wird von ihrer Dichterfreundin Grace Loudermilk aus ihrer schäbigen Kellerwohnung in Baltimore nach Berkeley, Kalifornien geholt. Grace' Nachbarn haben mit Begeisterung die Bücher der Erzählerin gelesen und
laden sie in ihr riesiges Haus ein, während sie beide sechs Wochen in Italien verbringen wollen. Während ihres Aufenthaltes in Berkeley ereilt sie die Nachricht, dass ihre beiden Gönner in Italien ums Leben gekommen seinen und ihr per Testament das Haus überlassen hätten. Ein Wunsch der Verstorbenen sei lediglich, den bereits geplanten Aufenthalt zweier Paare im Hause noch zu ermöglichen. Die Erzählerin zieht sich daraufhin in eine Einliegerwohnung zurück, um an einem Roman zu schreiben. Den Rest des Hauses überlässt sie den neuen Gästen, über deren Eigentümlichkeiten man im weiteren Verlauf einiges erfährt. - Soviel zum Plot des Romans, falls man davon überhaupt reden kann. Im Wesentlichen verliert sich der Roman in vielen sich verästelnden Abschweifungen, die teilweise sehr unterhaltsam erzählt werden. Skurrile Einfälle wechseln sich ab mit lakonischen Randbemerkungen über neuseeländische Verhältnisse. Viele Anspielungen, etwa aus englischen Gedichten, sind für deutsche Leser eher schwer verständlich. - Janet Frame wurde bekannt mit ihren Romanen "Wenn Eulen schrein" und "Ein Engel an meiner Tafel", der 1990 sehr erfolgreich verfilmt wurde. Im Roman "Auf dem Maniototo", der erstmals 1979 erschienen ist, geht es um das Erzählen selbst, um das Spiel mit der Fiktion, um Schein und Sein auch der Schriftstellerexistenz. So stellt sich die Ich-Erzählerin im Prolog unter verschiedenen Namen vor, unter welchen sie sich in späteren Passagen zu erkennen gibt. - Eher für größere Büchereien mit literarisch interessierten Janet-Frame-Fans geeignet.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Auf dem Maniototo
Janet Frame
Beck (2013)
301 S.
fest geb.