Traditionelle chinesische Medizin
Paul U. Unschuld, Sinologe und Medizinhistoriker, gibt in dieser gut lesbaren Zusammenstellung einerseits einen kompakten Überblick über die Geschichte der Chinesischen Medizin, zum anderen setzt er sich kritisch mit der Rezeption der TCM (Traditionelle
Chinesische Medizin) in der westlichen Welt auseinander. Im ersten Teil erläutert er die Entwicklung einer eigenständigen, jedoch in Theorie und Praxis uneinheitlichen Medizin, deren Kennzeichen die Übertragung politischer Strukturen und weltanschaulicher Prinzipien auf den menschlichen Organismus ist. In dieser Vorstellungswelt sind auch die Merkmale der TCM verankert: Yin und Yang, die entgegengesetzte, aber aufeinander bezogene Kräfte darstellen, die 5-Phasen-Lehre, die den Ablauf von Werden, Verwandlung, Vergehen verdeutlicht sowie die lebenswichtigen Qi, die den ganzen Körper durchströmen. Im zweiten Teil beschreibt der Autor die Verbreitung der TCM in den westlichen Industrieländern und die Übernahme der westlichen Medizin in China als Gewähr für Wissenschaftlichkeit und als Garant eines modernen Gesundheitswesens. Sehr kritisch hinterfragt er den gegenwärtigen "Mythos TCM" als "natürlich, ganzheitlich, sanft, jahrtausendealt", den er vor allem als Beleg für Mängel der Schulmedizin sieht, die dem Diktat der Kommerzialisierung unterliegt. Ein Zusammenwirken von Schulmedizin und realer historischer chinesischer Medizin könnte - so Unschuld - eine neue Medizinkultur hervorbringen. - Aufschlussreiche Information, bei Interesse am Thema sehr zu empfehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Traditionelle chinesische Medizin
Paul U. Unschuld
Beck (2013)
Beck'sche Reihe ; 2796 : Wissen
128 S. : Ill.
kt.