Die Julikrise

100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges gibt Annika Mombauer, international anerkannte Historikerin, erstaunliche Einblicke zur Julikrise, d.h. zum Zeitraum zwischen dem Attentat in Sarajewo (28. Juni 1914) und der Kriegserklärung Großbritanniens Die Julikrise (4. August 1914). Anschaulich und spannend schildert sie die zwischen militärischem und politischem Kalkül schwankenden Entscheidungen, welche aus der regional begrenzten Balkankrise die "Urkatastrophe des 20. Jh." entstehen ließen. Klar setzt sie sich von der Meinung ab, die europäischen Großmächte seien "hilflos in den Krieg hineingeschlittert", und vertritt die Ansicht, dass alle (jedoch abgestuft) für die Zuspitzung der Krise verantwortlich waren. Sie macht deutlich, dass es deshalb zum Krieg kam, weil vor allem Berlin und Wien die kriegerische Auseinandersetzung zu diesem Zeitpunkt unbedingt wollten und alle diplomatischen Bemühungen zur Begrenzung des Konflikts boykottierten, aber auch weil für Russland sowie Frankreich aus Prestigegründen ein Krieg nicht ungelegen kam und Großbritannien, das lange eine diplomatische Lösung anstrebte, sich aufgrund der international garantierten Neutralität Belgiens zum Eingreifen verpflichtet sah. Dass dieser Krieg, der so "leichtsinnig und fahrlässig" begonnen wurde - so Mombauer in ihrem Schlusswort - neben tiefen seelischen und körperlichen Schäden zum Umbruch politischer und gesellschaftlicher Systeme führen sollte, war jedoch im Juli 1914 nicht vorhersehbar. - Für historisch interessierte Leser ein Muss!

Inge Hagen

Inge Hagen

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Julikrise

Die Julikrise

Annika Mombauer
Beck (2014)

Beck'sche Reihe ; 2825 : Beck Wissen
128 S. : Kt.
kt.

MedienNr.: 577763
ISBN 978-3-406-66108-2
9783406661082
ca. 8,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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