Steiners Geschichte
Martin ist Lehrer an einer Schule in einem kleinen Ort im österreichischen Marchfeld. Schon während des Studiums in Wien hat er die unkonventionelle Ina kennen und lieben gelernt. Jetzt ist Ina schwanger, aber knapp vor der Geburt ihrer gemeinsamen
Tochter zieht sie sich zurück. Ihr Großvater ist gestorben und hat sie mit zu vielen offenen Fragen, die sie erst klären will, zurückgelassen. Ina wollte immer schon wissen, wie ihr Großvater Steiner, der kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem slowakischen Weinort Limbach in der Nähe von Bratislava nach Österreich vertrieben wurde, als Karpatendeutscher gelebt hatte. Martin gewährt Ina ihren Wunsch nach einer Auszeit, doch irgendwann folgt er ihr auf ihrer Reise in die Vergangenheit nach. - In seinem zweiten Roman setzt sich der österreichische Schriftsteller sehr ambitioniert mit den Themen Vertreibung und der in vielen Familien versäumten Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs auseinander. Mit glänzender Formulierungsgabe und einem Auge fürs Detail entspinnt der Autor einen brillanten, atmosphärisch dichten und historisch spannenden Roman mit vielen Sub-Geschichten, Abschweifungen und grotesken Einzelszenen. Ein anspruchsvolles Buch, nicht ganz leicht, aber trotz mancher Längen auch unterhaltsam und immer nahe am Leben. Allen Büchereien sehr empfohlen.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Steiners Geschichte
Constantin Göttfert
Beck (2014)
476 S.
fest geb.