Die Unberührten
Bruce Bennet-Jones blickt als Erwachsener auf sein letztes Jahr in einem vornehmen Internat bei Boston zurück. In Erinnerung blieb ihm die Ankunft des jüdischen Mädchens Aviva, die durch ihre farbige Kleidung auffiel. Schon bald entwickelt sich
eine scheue Beziehung zu einem jungen Koreaner Seung Jung. Bennet-Jones berichtet neutral darüber, wie sie sich treffen, ohne die Vorschriften des Internats zu verletzen. Die Beziehung wird intimer, doch das junge Paar scheitert schier daran. Man merkt dem Erzählton an, dass auch dem Erzähler das Mädchen gut gefällt. Das Paar wird bei einem verbotenen Treffen auf dem Zimmer des Mädchens ertappt; kurz vor der Schlussprüfung wird der junge Mann der Schule verwiesen. In verzweifelter Stimmung und unter Drogen kommt er an einem kleinen See mit dem Erzähler zusammen. Sie rauchen zusammen und plötzlich läuft der Koreaner ins Wasser und geht unter. Niemandem berichtet der Erzähler, dass er den Untergang beobachtet hat. - Längere Zeit hat der Leser das Gefühl, der Erzähler mokiere sich rückblickend über die Prüderie der 70er Jahre in den USA. Aber dann spürt man, dass Bennet-Jones die Zeit keineswegs verarbeitet hat. Doch anstelle von Schuldgefühlen nimmt man eher arrogante Blasiertheit wahr: eine absonderliche Geschichte über Außenseiter, scheint es einerseits. Andererseits bleibt der Eindruck des Unverarbeiteten. Diese divergierenden Wahrnehmungen erzeugt die Autorin allein durch den Erzählstil. (Übers.: Ulrike Thiesmeyer)
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Unberührten
Pamela Erens
Beck (2015)
297 S.
fest geb.