Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt
Sommer 2013: Wie jedes Jahr unterrichtet Vita Ostan an einem US-amerikanischen College, gibt einen Deutschkurs zum Thema Journalismus. Ihr jüngster Kursteilnehmer, der gerade zwanzigjährige Zev, entpuppt sich als Revolutionär, als stürmischer Freidenker,
der sie nicht nur akademisch, sondern bald auch zwischenmenschlich anzieht. Währenddessen enthüllt Edward Snowden die Ausmaße der Spionagemöglichkeiten der NSA, ein Thema, das Zev leidenschaftlich aufgreift. Dann, nach einem Gespräch mit einem Insider, wird er plötzlich von Angst beherrscht und lässt von seinen Nachforschungen ab aus Furcht vor Überwachung und Sanktionen. Auch die Beziehung zwischen Vita und Zev kann nur unzureichend realisiert werden, nicht zuletzt ist auch die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz einer Liebschaft zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann ein Hindernis. - Aus der Perspektive der Ich-Erzählerin Vita wird die teils sommerlich gedrückte, teils angespannte oder auch enthemmte Atmosphäre auf dem Campus hervorragend dargestellt. Dabei bedient sich die Autorin langer, aneinandergereihter Sätze, die sich jedoch sehr flüssig lesen lassen. Vor allem wegen des aktuellen Themas der allgegenwärtigen Überwachung interessant.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt
Zora del Buono
Beck (2016)
171 S.
fest geb.