Das Café der Existenzialisten
Es ist ein wirklich anschauliches Zeitbild der Jahrzehnte von 1930 bis 1970, in das eingebettet die englische Schriftstellerin Sarah Bakewell ihren Lesern Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir als die Begründer und Hauptvertreter des Existenzialismus
vorstellt. Wir Leser erleben sie gleichsam mit den anderen Existenzialisten in Cafés und in bezeichnenden Alltagssituationen. Dies ist keine trockene Philosophiegeschichte, die Weltanschauungen erwachsen vielmehr aus den persönlichen Verhältnissen der Hauptakteure. Auf diese Weise lernt man als Vorläufer Kierkegaard und Nietzsche sowie den Phänomenologen Husserl, die Philosophen Heidegger und Jaspers sowie den Schriftsteller Camus neben anderen in unvergesslicher Weise kennen. Der Mensch erschafft sich durch sein Handeln selbst, sagt Sartre, gewinnt so seine Freiheit, muss aber auch mit seiner Angst wegen der fortlaufenden Entscheidungszwänge fertig werden. Dies spiegelt sich in den vorgestellten literarischen Werken. Gewürdigt wird die Epochenleistung von Simone de Beauvoirs feministischem Buch "Das andere Geschlecht". Dass die Maximen von Freiheit und Authentizität den Protestbewegungen der 60er Jahre starke Impulse gaben, hat die Autorin selbst als Teenager durchlebt. - Der fast 80 Seiten umfassende Anhang unterstützt den Wissbegierigen. Fotos, überschaubare Kapitel, die klare sprachliche Darstellung und die Einbindung von Anekdoten lassen einen das Buch gerne zur Hand nehmen.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Café der Existenzialisten
Sarah Bakewell
Beck (2016)
448 S. : Ill.
fest geb.