Jahreszeit der Steine
Ein Vater erzählt in einem langen inneren Monolog von einem Novembertag mit seiner Familie in der norddeutschen Provinz. Nach einer fast schlaflosen Nacht beginnt das nach strengen Regeln organisierte Alltagsleben der Familie mit drei Kindern. Er
weiß, dass er wieder einmal richtig mit seiner Frau Levje reden müsste. Während er Malik und Alma in Kita und Grundschule fährt, verliert er sich in Erinnerungen an seine eigene Kindheit in der DDR und setzt sich mit seinem Vater auseinander. Wieder zu Hause, schafft er es nicht, sich an den Schreibtisch zu setzen, geht lieber in den Garten und kämpft gegen die Ausbreitung des Gundermanns. Er ist selbständig und betreibt mit Levje eine Firma, die sich mit dem Schreiben und Lektorieren von Texten befasst. Außerdem hat er ein Romanprojekt über einen Mann, der aus seinem Leben ausbrechen will, das aber nicht recht vorangehen will. – Autor Andé Hiller (Jg. 1974) gründete die Autorenschule „Textmanufaktur“, das merkt man auch seinem zweiten autofiktionalen Roman an. Sein Ich-Erzähler ist ein Sprach-Jongleur, der sich assoziativ leiten lässt. – Für Leser*innen, die sich darauf einlassen wollen, ist das Buch bestens geeignet. Am berührendsten sind die Szenen, in denen er Zeit mit seinen Kindern verbringt.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Jahreszeit der Steine
André Hille
C.H.Beck (2023)
337 Seiten
fest geb.