Die Hexen von Cleftwater
Seit 40 Jahren lebt die stumme Hebamme und Dienerin Martha im Küstenort Cleftwater. Sie wird zu einer Geburt gerufen; das Kind ist schwer missgestaltet und stirbt bei der Geburt. Das lässt Gerüchte aufkommen; sie fallen zeitlich mit dem Auftreten
von Hexenjäger Silas Makepeace zusammen. Zur körperlichen Untersuchung der verdächtigen Frauen rekrutiert er auch Martha. Sie kommt in einen großen Zwiespalt, als am Körper einer Freundin sogenannte Hexenmale, wohl kleine Hautabnormitäten entdeckt werden. Martha steht unter höchster Anspannung, wie sie die Frau retten könnte. Diese wird zum Galgen geführt. Im Laufe der Untersuchungen – offenbar ohne typische Folterungen – gerät auch Martha in den Verdacht, Zauberkräfte zu haben, als ihre hochschwangere Herrin ins Gefängnis kommt. Sie bringt ihr Kind dort zur Welt; das Kind wird einer Amme gegeben. Ein Unwetter setzt das Gefängnis unter Wasser. Nur Martha und Jennet überleben. Sie entlässt der örtliche Richter in die Freiheit, nachdem der Hexenjäger und seine Entourage Hals über Kopf abgereist sind. – Der Roman hat einen langsamen Duktus; die Autorin gibt den Beobachtungen Marthas zu Heilpflanzen, Wetter, aber auch den Stimmungen der anderen Protagonisten viel Raum. So vermittelt sie, wie Martha in einer ihr nur schwer durchschaubaren Situation Halt zu finden versucht. Sie beschreibt eindringlich, wie verschiedene Männer- und Frauentypen sich in den Bann der Hexenjagd ziehen lassen. Und wie dabei geschätzte Mitbürger, sogar ein Geistlicher der Gemeinde, zu verdächtigen Subjekten werden. Der genaue Blick in die Innenwelt der Beteiligten macht dieses Buch lesenswert, auch wenn das Thema Hexen langsam über die Maßen ausgebreitet wurde.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Hexen von Cleftwater
Margaret Meyer ; aus dem Englischen von Cornelius Hartz
C.H.Beck (2024)
349 Seiten
fest geb.