Bildnis eines Unsichtbaren
Hans erlebt in den 60er- und 70er- Jahren in der Schwulen-Szene in Paris eine erste große Liebe zu Serge. Bei schnellem Sex, schönen Männern und in Ekstase, Orgien und Räuschen und in Darkrooms geht es wild zu und das Leben ist ein einziges Fest.
Als dann aber der SPIEGEL am Anfang Juni 1983 eine Titelgeschichte zum AIDS-Virus herausgibt, gesellt sich zur Liebe der Tod, zum Glück das Leid. Serge geht auf 43 Beerdigungen. Paris wirkt wie entvölkert und versprüht keinen Zauber mehr. In den 80er/90er-Jahren verliebt sich Hans in den Münchner Kunsthistoriker und Galeristen Volker. Beide erfasst die pure Lebensfreude in der Boheme-Szene: Kultur, gutes Essen und anspruchsvolle Gespräche. Volker erkrankt schwer an AIDS. Hans pflegt seinen Freund, dem unter Angst und Qualen langsam Körper und Geist dahinsiechen. Am Ende der 23 Jahre andauernden Beziehung liegt Volker tot vor ihm. Hans hat nun selbst Angst vor dem eigenen Tod, aber eine Blutuntersuchung anlässlich eines Sportunfalls zeigt keine Symptome für AIDS an. In seinem neuen Lebensglück betrinkt er sich maßlos. Liebe in Zeiten von AIDS und ausgeflipptes Leben in der Kunstszene, ergänzt durch Rückblenden und vielen Infos zur Zeitgeschichte – davon erzählt Hans Pleschinski tiefgründig und einfühlsam. Der autobiografische Roman erschien 2002 erstmals und hat kein bisschen von seiner Strahlkraft eingebüßt. Empfehlenswert.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Bildnis eines Unsichtbaren
Hans Pleschinski
C.H.Beck (2026)
313 Seiten
fest geb.