Henry V
Der britische Historiker Dan Jones, Bestsellerautor mittelalterlicher Romane und TV-Dokumentationen, widmet sich in diesem spannend konzipierten, lebendig und anschaulich geschriebenen Buch der Lebensgeschichte des englischen Königs Henry (Heinrich)
V. (1386-1422). Er zeichnet ein vielschichtiges Bild der spätmittelalterlichen Welt, in der zum einen die Machtstellung des Königs brüchig zu werden begann und zum anderen das erstarkende Selbstbewusstsein sowie das überzeugende Selbstverständnis des Adels und der Kirche für gravierende Umwälzungen sorgte. Diese Unsicherheit sowie die persönliche Erfahrung der ständigen Machtabsicherung prägten das politische wie militärische Handeln Heinrichs V. Jones nähert sich diesem Herrscher an, indem er dessen Charakter aufzuschlüsseln versucht und ihn nicht nur in den Jahren als König (1413-1422) beschreibt und beurteilt, sondern auch in seiner Kindheit und Jugend. Daher gliedert er die Biografie in zwei Teile, Prinz (1386-1413) und König (1413-1422), in denen er deutlich macht, dass Denken und Handeln Heinrichs nur aus dessen Erfahrungen in seiner Kindheit und Jugend zu verstehen sind. Heinrich, der bereits als Kind militärisch erzogen wurde, war von Geburt an Teil des höchsten englischen Adels, obwohl er nicht als Thronfolger geboren wurde. Bürgerkriege, Aufstände und insbesondere der Hundertjährige Krieg mit Frankreich, erfolgreiche, aber verlustreiche, mit großer Brutalität geführte Auseinandersetzungen, Kriege und Feldzüge kennzeichneten seine Regierungszeit und verschafften ihm in der Geschichtsschreibung den Titel „Kriegerkönig“. Jones sieht Henry vielschichtig: einerseits ist er für ihn ein fast „perfekter“ König, der mit Disziplin und strategischem Gespür seine Ziele verfolgte, der Musik und Literatur liebte, andererseits mit großer Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegen seine Widersacher vorging. – Für geschichtlich Interessierte.
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Henry V
Dan Jones ; aus dem Englischen von Heike Schlatterer und [einer weiteren]
C.H.Beck (2026)
447, [16] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig), Karten
fest geb.