Großer Stunk

Meine Güte, das hat sich Leander wohl einfacher vorgestellt. Mittels Aushang sucht der Künstler Affen, da er sie gerne zeichnen möchte. Es kommen viele unterschiedliche Arten und zunächst sitzen sie noch recht friedlich im Stuhlkreis in seinem Großer Stunk Atelier, doch als er sie freundlich alle als Affen willkommen heißt, reagieren sie irritiert. Egal, ob Orang-Utan, Nasenaffe, Pavian oder Bonobo, jeder hält sich selbst für den einzigen Affen im Raum und nun wird tüchtig gestritten, was denn überhaupt einen Affen ausmacht (Wohlweislich wird dabei nur über Äußerlichkeiten debattiert). Über die Anzahl an Gliedmaßen ist man sich einig, aber was ist mit Schwanz, Fellfarbe oder Größe? Immer wieder versuchen sich alle, voneinander abzugrenzen, brüllen chaotisch durcheinander und finden keinen gemeinsamen Nenner (und wollen auch gar keinen finden). Ein Mädchen, das plötzlich erscheint, weil es schließlich auch zur Familie der Menschenaffen gehört, bringt das Fass zum Überlaufen … Julia Friese und Christian Duda erzählen amüsant und frech von einem Streit über Zugehörigkeit und Klassifizierung. Pointiert und scharf fangen sie in Bild und Text die tumultartige Szenerie ein. Alle machen sich wichtig, sind laut, betonen Unterschiede anstatt Gemeinsamkeiten zu erkennen. Es herrscht eine wilde Aggressivität, die auch in noch größeres Chaos kippen könnte. Julia Friese spiegelt die Spannung, die bei den Tieren herrscht, gekonnt wider. Entrüstet deutet man mit den Fingern aufeinander, reißt den Mund/ das Maul auf und gestikuliert ausladend. Alles eben Menschen(affen). – Großer Stunk. Große Empfehlung. Zum Lachen und Nachdenken.

Anna Winkler-Benders

Anna Winkler-Benders

rezensiert für den Borromäusverein.

Großer Stunk

Großer Stunk

Illustration: Julia Friese ; Text: Christian Duda
Beltz & Gelberg (2025)

[56] Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 623721
ISBN 978-3-407-75998-6
9783407759986
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 5
Systematik: KK
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