Wenn ich groß bin, werde ich Seehund
Ein Junge lebt mit seinen Eltern ganz nah am Meer. Die See ist für ihn ein ganz natürliches Lebenselement. Ohne es je gelernt zu haben, kann er schon sein ganzes Leben lang schwimmen wie ein Seehund. Der Vater ist Seemann und oft tagelang nicht zu
Hause. Die Mutter, die nie auch nur mit den Füßen ins Wasser geht, erzählt ihrem Sohn oft und gerne die spannendsten und phantastischsten Geschichten über das Meer und seine Bewohner. Eines Tages beobachtet der Junge den Vater, wie der ein glänzendes Seehundsfell versteckt. Natürlich denkt er sofort an die magische Geschichte von Seehunden, die an Land zu Menschen werden, bis sie ihr gut verstecktes Fell wieder anziehen und ins Meer zurückkehren. Am nächsten Morgen ist seine Mutter spurlos verschwunden. Der Junge sucht Trost beim traurigen Vater, und gemeinsam gelingt es ihnen, den neuen Alltag irgendwie zu meistern. Doch die Sehnsucht des Kleinen gehört dem Meer, von dem er weiß, dass es sein ganzes Leben bestimmen wird. - Wie immer erzählt Nikolaus Heidelbach keine leicht konsumierbare Geschichte. Man muss sich dieses magisch-märchenhafte Bilderbuch durch mehrfaches Lesen und Anschauen erst erschließen, bis man diese erstaunliche Geschichte über kindliche Ängste, Träume und Sehnsüchte und über die Kraft der menschlichen Imagination wirklich erfasst hat. Der knappe Text ist offen für viele Deutungen und lädt zum Miteinanderreden genauso ein wie Heidelbachs einmal mehr grandiose Illustrationen, die nicht nur die phantastische Unterwasserwelt großartig in Szene setzen, sondern auch der Vieldeutigkeit der Geschichte wunderbar gerecht werden. Wer bereit ist, sich auf Heidelbachs doppelbödige Bilderwelten wirklich einzulassen, wird auch beim Betrachten dieses neuen Bilderbuchs mit reichlich Stoff zum Nachdenken belohnt.
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wenn ich groß bin, werde ich Seehund
Nikolaus Heidelbach
Beltz & Gelberg (2011)
[16] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5