Djihad Paradise
Romea wächst in einer wohlhabenden Familie auf, die Eltern sind aber zu beschäftigt, um sich um ihre Töchter zu kümmern. Julian lebt bei seinem alkoholkranken Vater, vertickt Drogen und gerät mit einem richtigen Gauner aneinander. Sie verlieben
sich unsterblich und träumen davon, gemeinsam auszusteigen. Julian kommt ins Gefängnis. Von seinem Zellennachbarn lernt er beten, beide rutschen in eine Salafisten-Bruderschaft. Auch Romea konvertiert zum Islam, sie heiraten, doch in einer Auseinandersetzung schlägt Julian zu. Während er sich in Pakistan zum Selbstmordattentäter ausbilden lässt, kehrt Romea dem radikalen Islam den Rücken und findet weltoffene Freunde. Kurz vor Weihnachten treffen sie sich wieder in einem großen Konsumtempel - er mit einem Sprenggürtel. - Viele (zu viele?) Problemthemen werden in diesem Jugendroman angeschnitten: allen voran natürlich das Romeo-und-Julia-Motiv, das zumindest in der ersten Hälfte glaubhaft adaptiert wird. Dazu unternimmt die Autorin den Versuch, eine Konversion zum Islam darzustellen, dazu unterschiedliche Strömungen vom extrem-politischen Dschihadismus bis zur weltoffen-toleranten Glaubensausübung zu zeigen. Die Wandlungen, die die Hauptfiguren im zweiten Teil des Romans durchmachen, sind nicht immer ganz schlüssig nachvollziehbar, aber der dramatische Aufbau dient ja auch den Bedürfnissen der Leserinnen. Neben sehr berührenden Schilderungen, z.B. der Gebetserfahrungen, gibt es auch Passagen, in denen der Jugendjargon eher gezwungen klingt. So hinterlässt der Roman sowohl inhaltlich wie stilistisch einen ambivalenten Eindruck. Diskussionswürdig ist der Stoff allemal. - Bei interessiertem Publikum anschaffenswert.
Astrid Frey
rezensiert für den Borromäusverein.
Djihad Paradise
Anna Kuschnarowa
Beltz & Gelberg (2013)
415 S. : Ill.
kt.