Hinter den Lichtern
Christian Walther versammelt in dieser Anthologie 18 meist jüngere, namhafte Autoren und Autorinnen, die vielfach ausgezeichnet wurden. Von Luca Bloom bis Christop Wortberg erzählen sie Geschichten über Normales, das schließlich kippt und zum Traum,
zum Alptraum, zur Fantasie wird. Nils Mohl stellt die junge Eisläuferin Ann vor. Leidenschaftlich gerne gleitet sie über das Eis. Unbemerkt jagt sie zur Insel, um ihr Geheimnis aufzusuchen, ein im Eis eingefrorener Fuchs. Sie trifft eine Fremde. Das ist sie selbst über dreißig Jahre älter. Inger-Maria Malke erzählt von der eigentlich durchschnittlichen Dinah und ihrer Freundin Lena. Lena beobachtet ihre Freundin, die sich auf unerklärliche Weise verändert. Da sind zunächst die vernarbten Ritzen auf den Unterarmen. Dann fällt Dinah immer wieder in Ohnmacht, nachdem sie geschnüffelt hat. Völlig rätselhaft wird Dinahs Verhalten, als sie von Kevin verlassen wird. Sie schickt ihm ein Nacktfoto, das dieser weiterleitet. Die Erzählungen sind raffiniert komponiert. Sie sind voller überraschender Wendungen, oft absurd, manchmal humorvoll, manchmal verstörend. Ein feinsinniger, zum Nachdenken anregender Band für literarisch interessierte Leserinnen und Leser.
Ursula Reich
rezensiert für den Borromäusverein.
Hinter den Lichtern
Christian Walther (Hrsg.)
Beltz & Gelberg (2016)
263 S.
kt.