Orangentage
Seit dem Tod seiner Mutter ist Dareks Leben nicht ganz einfach. Der Alltag ist schwierig. In der Schule prügelt er sich, die geistig behinderte kleine Schwester erfordert viel Geduld und Zuwendung, der verschlossene Vater beginnt zu trinken, als er
zu allem Unglück auch noch seinen Arbeitsplatz verliert. Doch dann scheint sich alles zum Besseren zu wenden. Darek lernt Hanka kennen, die immer so wunderbar nach Orangen riecht, und fühlt sich immer stärker zu ihr hingezogen. Auch die familiäre Situation entspannt sich, als der Vater gemeinsam mit einem Bekannten eine Pferdefarm auf seinem Hof aufzieht. Darek ist mit Begeisterung bei der Sache und entwickelt mit der Zeit eine große Zuneigung zu den oft kranken Tieren, die auf dem Hof mit viel Mühe aufgepäppelt werden. Doch dann muss er entsetzt erkennen, dass der Pferdehof ganz anderen Zwecken dienen soll. - Die tschechisch-deutsche Autorin erzählt in ihrem neuen Jugendroman vom nicht immer einfachen Leben eines Jugendlichen in der tschechischen Provinz und von den Sorgen einer Familie, mit der es das Schicksal nicht immer gut gemeint hat. In ihrer manchmal fast spröden Sprache wird der oft mühsame Alltag des Protagonisten fassbar, der mit großer Zähigkeit seinen Platz im Leben sucht und sich in diesem fast unbeschwerten Sommer zum ersten Mal verliebt. Wer sich auf die langsame Erzählweise der Autorin einlässt, wird mit einem lange nachwirkenden Leseerlebnis belohnt, das weit mehr zu bieten hat als die gut geschriebene Pferde- und Liebesgeschichte, den man nach der Lektüre des Klappentextes vermuten kann.
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Orangentage
Iva Procházková
Sauerländer (2012)
239 S.
fest geb.