Ausgewechselt
Fußball ist die große Leidenschaft des 15-jährigen Leo; ansonsten ist er eher der unnahbare Typ, gutaussehend, aber gegenüber seinen Mitmenschen eher gleichgültig. Auf dem Heimweg von einem entscheidenden Spiel überschlägt er sich mit seinem
Roller, Diagnose Querschnittslähmung. In den nächsten Monaten steht Leo Hürde über Hürde bevor, vom Akzeptieren des Endes seiner Fußballkarriere über die enttäuschte Abwendung des Vaters von seinem einst so vielversprechenden sportlichen Sohn bis hin zur gluckenhaften, einengenden Fürsorge seiner Mutter. Auf der anderen Seite aber entwickelt Leo langsam, aber stetig eine neue Persönlichkeit, erkennt, wie vielen Menschen er etwas bedeutet, entdeckt den Sport im Basketball neu und baut eine echte Freundschaft und später Beziehung mit Viola auf. Viola, deren Mutter sich nach der Scheidung völlig gehen lässt, entspricht nicht den eher oberflächlichen Mädchen, für die sich Leo vor seinem Unfall interessiert hat, sondern ist ein tiefer Charakter und misst ihrem Leistungssport ebenfalls eine große persönliche Bedeutung bei. Gemeinsam finden Leo und Viola neue Perspektiven und erreichen schließlich einen Punkt der Verbundenheit und Unterstützung, an dem beide auch in den Erfolgserlebnissen des anderen völlig aufgehen. - Nicht ohne Grund wurde der Jugendroman in Italien bereits als Schullektüre verwendet. Es handelt sich um ein ungemein ausdrucksstarkes Buch, nicht zuletzt aufgrund der alternierenden Erzähltechnik. Die Veränderung des Protagonisten, der durch seine physischen Grenzen andere Barrieren zu sprengen vermag, beeindruckt tief. Sehr zu empfehlen. (Übers.: Ingrid Ickler)
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ausgewechselt
Paola Zannoner
Boje (2012)
158 S. : Ill.
fest geb.