Boys Don't Cry
Der 17-jährige Dante hat gerade alle Prüfungen bestanden und freut sich auf die Uni. Da steht seine Exfreundin Melanie mit einem Baby vor der Tür und behauptet, Emma sei auch sein Kind. Sie lässt die gemeinsame Tochter bei dem völlig verwirrten
Jungen zurück und verschwindet spurlos. Während Dante noch verzweifelt nach einem Ausweg sucht, um seine Zukunftspläne nicht aufgeben zu müssen, verlangen Vater und Bruder von ihm, sich der Verantwortung für sein Kind zu stellen. Widerwillig versucht der überforderte Jugendliche, den mühseligen Alltag mit der Hilfe seiner Familie irgendwie zu bewältigen. Zunächst ist Emma für ihn nur eine ungewollte Last, doch das liebenswerte kleine Mädchen wird den Männerhaushalt völlig umkrempeln und den Vater und die beiden Brüder, die ihre Lebenslügen und die tiefreichenden Probleme miteinander viel zu lange verdrängt haben, einander wieder näherbringen. - Einfühlsam und aus ziemlich ungewöhnlicher Perspektive erzählt die britische Autorin von den Folgen einer unüberlegten Teenagerschwangerschaft. Das ist streckenweise durchaus überzeugend gelungen, so dass sich der Leser gut in den kompliziert gewordenen Alltag des Jugendlichen hineinversetzen kann, der zwischen Verantwortungsbereitschaft und Selbstverwirklichungshoffnungen hin- und hergerissen ist. Doch leider überfrachtet Blackman ihren Roman mit einem zweiten zentralen Thema so, dass am Ende manche Aspekte der vielschichtigen Familiengeschichte dann doch zu oberflächlich behandelt erscheinen. Die Geschichte der Homosexualität von Dantes Bruder Adam und seinem schwierigen Weg zu gesellschaftlicher Anerkennung sorgt zwar für zusätzliche Dramatik, bleibt aber in ihren Verkürzungen leider sehr plakativ. Trotz dieser Einwände lohnt sich die Lektüre für junge Leser, die den ungewöhnlichen Blickwinkel auf das Thema frühe Schwangerschaft nachempfinden wollen. (Übers.: Christa Prummer-Lehmair, Katharina Förs)
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Boys Don't Cry
Malorie Blackman
Boje (2011)
299 S. : Ill.
fest geb.