Die Glasfresser
Palermo 1978. Fasziniert von den politischen Kommuniqués der Roten Brigaden begeben sich Scarmiglia, Bocca und Nimbus in einer Mischung aus vorpubertärer Erotik und undefinierbarem Unbehagen über ihre wirkungslose und oberflächliche Existenz auf
einen Weg sinnloser Gewalt. Sie legen Feuer in ihrer Schule und zünden das Auto des Schuldirektors an. Schließlich entführen sie einen Klassenkameraden, den sie anschließend zu Tode foltern. Erst als Scarmiglia, der Anführer der Gruppe, Wimbow als nächstes Opfer auswählt, ein Mädchen, in das Nimbus verliebt ist, gelingt es Nimbus, den Bann zu durchbrechen und er verrät seine Komplizen an die Polizei. - Ein sprachlich beeindruckendes Buch, mit mythischen Assoziationen, das die Hauptfigur Nimbus in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Die politischen Reflexionen der 10- bis 11-jährigen Jungen sind für das Alter der Kinder eher ungewöhnlich. Worauf es Vasta ankommt, ist die detaillierte Schilderung ihrer Existenz in einer von Machtphantasien geprägten Parallelwelt. (Übers.: Ulrich Hartmann)
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Glasfresser
Giorgio Vasta
Dt. Verl.-Anst. (2011)
315 S.
fest geb.