Staatsfeind WikiLeaks
Im Buch zum aktuellen Topthema erfährt man zuerst einiges über die Jugend des WikiLeaks-Gründers, wie er zum Computerfreak wird und schon mit 13 lernt, den Programmierschutz professioneller Software zu knacken. Seine herausragenden Fähigkeiten
in Geld umzusetzen ist nie das Ziel von Assange, sein Antrieb ist immer nur die Beschaffung von Informationen. Er ist überzeugt, dass Wikileaks durch das Öffentlichmachen von Geheimnissen eine andere Welt ermöglichen kann, und mit manischer Energie treibt er die Gründung dieses Netzwerks voran. Die Enthüllungsplattform, die keine Organisation mit festen Orten und Strukturen ist, sondern ein loser Zusammenschluss von online kommunizierenden Einzelpersonen rund um die Welt, steigt kometenhaft zu einer Macht im Internet auf. Sie macht sich die US-Regierung mit ihren spektakulären Enthüllungen geheimer Dokumente zum erbitterten Feind. Kurz nach der Herausforderung des Pentagon nimmt dann das Leben von Assange mit den Vergewaltigungsvorwürfen zweier Schwedinnen eine dramatische Wendung. - Die Autoren berichten objektiv über den Australier und seine Enthüllungen und es gelingt ihnen dabei, den exzentrischen Kämpfer für die Informationsfreiheit und seine komplexe Welt der Netzaktivisten packend und verständlich zu porträtieren. Auch das Für und Wider der Enthüllungspraktiken von Wikileaks wird angesprochen, für Kritik aus Kreisen des Journalismus zeigen die Autoren jedoch wenig Verständnis. Bei der Frage, wie weit radikale Transparenz gehen darf, kommen sie zu dem Schluss, dass die Offenbarung von Staatsgeheimnissen dem Staat zwar kurzfristig schaden könne, aber mittelfristig führe die Offenlegung zu einem Reinigungsprozess mit einer Neujustierung der Politik und stärke damit eine Demokratie. Gerade in totalitären Staaten könnten die Netzaktivisten die Kontrolle der Regierung durch eine freie Presse ersetzen. Ein höchst aktuelles und äußerst informatives Buch.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Staatsfeind WikiLeaks
Marcel Rosenbach ; Holger Stark
Dt. Verl.-Anst. (2011)
334 S.
kt.