Chucks
Mae lebt mit Jakob zusammen, einem Architekten, der klassische Klaviermusik liebt. Der zufriedene Planer umgibt Mae mit einer Sicherheit, die sie lange Zeit vermisst hat. Mae hat ihren vier Jahre älteren Bruder, den sie sehr bewunderte, verloren,
als sie zehn war. Drei Jahre später trennten sich ihre Eltern. Mit sechzehn Jahren verweigerte sie sich der Schule und lebte tagsüber auf der Straße, wo sie sich mit Tamara anfreundete, einem Punk, der schon bessere Tage gesehen hatte. Aus dieser Zeit hängt ihr eine einmonatige Jugendstrafe im Aids-Hilfe-Haus an, wo sie Paul kennenlernt. Nach einem langweiligen und verregneten Camping-Wochenende mit Jakob zieht sie zu ihm, weil sie sich von ihm endlich wahrgenommen fühlt. Doch Paul hat Aids. Nach einem halben Jahr bricht die Krankheit voll aus. In lakonischer Sprache berichtet Mae von dieser Zeit, von einem letzten Aufbegehren, bei dem Paul lachend Autos beim Einparken anrempelt, von seinen ewig kalten Füßen und wie sie am Krankenbett Socken strickt, von den Gesprächen über das Sterben und den Tod. - Maes Jugend ist eingerahmt von Abschieden von zwei ihr sehr nahen Menschen. Die Episoden werden in vielen Rückblicken auf die verschiedenen Zeitebenen erzählt, was etwas Konzentration erfordert. Aber man wird mit einer warmherzigen Geschichte einer jungen Autorenstimme belohnt. - Die 1987 in St. Pölten, Niederösterreich, geborene Cornelia Travnicek erzielte für einen Auszug aus diesem Romandebüt den dritten Platz bei Österreichs wichtigstem Nachwuchswettbewerb. Auch für Jugendliche geeignet.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Chucks
Cornelia Travnicek
Dt. Verl.-Anst. (2012)
186 S.
kt.