Die Herrschaft der Zaren
Verschiedene Autoren widmen sich in diesem fundiert erarbeiteten und spannend geschriebenen Überblick über 500 Jahre russischer Geschichte - von Iwan dem Schrecklichen bis zum Ende der Monarchie 1917 - nicht nur einzelnen Herrschergestalten, Künstlern,
Schriftstellern und Intellektuellen, sondern auch den Grundpfeilern russischer Politik, wie z.B. der Vernetzung von Kirche und staatlicher Macht, der Willkür der Herrschenden sowie der Missachtung der Bedürfnisse der Bevölkerung. Überzeugend belegen die Verfasser, dass auch nach dem historisch festzumachenden Ende der Zarenherrschaft die meisten der Strukturen, vor allem aber das Verständnis von Herrschaft und Machtausübung, in den Jahrzehnten kommunistischer Praxis und in der seit 1991 verfassungsmäßig garantierten Demokratie deutlich spürbar sind. In vier großen Kapiteln (Vom Fürstentum zum Zarenreich, Aufbruch nach Europa, Verhinderte Reformen, Expansion und Untergang) gelingt den Verfassern ein facettenreiches, aus unterschiedlichen Kriterien gestaltetes Bild Russlands, das gerade aus der Widersprüchlichkeit einzelner Akteure einen differenzierten Blick ermöglicht. Im abschließenden Interview mit dem Historiker und Politologen A. Rahr werden auch aktuelle Parallelen zur Vergangenheit ("Putin ist ein Zar") deutlich sichtbar. - Sehr zu empfehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Herrschaft der Zaren
Uwe Klußmann ... (Hg.). Karen Andresen ...
Dt. Verl.-Anst. (2012)
285 S. : Ill., Kt.
fest geb.