Amt für Mutmaßungen
Eigentlich wollte die junge Frau "Kunstegomane" werden, sich nur mit der Kunst beschäftigen und nicht mit Alltagsdingen, doch nach ihrem ersten erfolgreichen Buch hat sie ihren Mann fürs Leben gefunden, sie ziehen zusammen, heiraten, werden Eltern
einer Tochter. Der Alltag mit dem schreienden Baby überwältigt und überfordert die Frau. Den Plan, ein zweites Buch zu schreiben, gibt sie auf, stattdessen wird sie Ghostwriterin eines "Möchtegern-Astronauten", damit das Geld reicht. Als sie entdeckt, dass ihr Mann eine junge Geliebte hat, bricht eine emotionale Katastrophe über sie herein. In kurzen, tagebuchartigen Einträgen versucht sie nachzuvollziehen, wie es dazu kommen konnte, setzt mit bruchstückhaften Erinnerungen und Beobachtungen ihr Leben zusammen, versucht zu verstehen, wie es von ihren Liebesbriefen mit dem Absender "Amt für Mutmaßungen" zu ihren Rollen im "Kleinen Theater verletzter Gefühle" kommen konnte. - Jenny Offill erzählt diese eindringliche Geschichte von Verlust, Verzweiflung und Selbstbehauptung assoziativ, mosaikartig, mit Zitaten bekannter Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler, trotz aller Schmerzhaftigkeit immer wieder auch ironisch und skurril-amüsant. Für literarisch interessierte Leser. (Übers.: Melanie Walz)
Gudrun Eckl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Amt für Mutmaßungen
Jenny Offill
Dt. Verl.-Anst. (2014)
165 S.
fest geb.