Das Ende
Spätestens seit der Niederlage in Stalingrad 1943 war für viele deutlich sichtbar: Deutschland konnte Hitlers Krieg nicht mehr gewinnen. Weshalb dauerte es dann noch bis Mai 1945, bis das Dritte Reich kapitulierte? Dieser Frage geht der britische
Historiker Ian Kershaw in seinem Buch nach. Detailliert zeichnet er die Stationen des Niederganges im letzten Kriegsjahr nach und skizziert die Situation im Reich und an den Fronten. Dabei stützt sich der Autor auf Berichte des Sicherheitsdienstes ebenso wie auf Tagebucheintragungen und andere Augenzeugenberichte. Im Ergebnis macht er eine ganze Reihe von Gründen für die Bereitschaft aus, gegen alle Vernunft durchzuhalten und weiterzukämpfen. Einen der Gründe dafür sieht Kershaw in der Ausrichtung der Staatsstrukturen auf den Führer und in der persönlichen Eitelkeit und ideologischen Abhängigkeit seiner Paladine. Hinzu kommt, dass Unterdrückung, Propaganda und Pflichtbewusstsein im Deutschland jener Jahre eine unheilige Allianz eingingen und eine frühzeitige Kapitulation verhinderten. Eine auch erzählerisch hervorragende Untersuchung, ab mittleren Beständen sehr empfohlen.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Ende
Ian Kershaw
Dt. Verl.-Anst. (2011)
702, [16] S. : Ill., Kt.
fest geb.