Die Heldinnen von Troja
Homer, Euripides, Sophokles oder Vergil haben über den trojanischen Krieg geschrieben. Fast überall stehen die Männer im Vordergrund. Sie treten als Krieger auf, deren Ruhm beschrieben und besungen wird. Doch wo bleiben die Mütter, Ehefrauen, Schwestern
und Kinder dieser Männer? Die Altphilologin Natalie Haynes gibt den Frauen in ihrem aktuellen Roman (zul. "Stone blind", BP/mp 23/3) eine Stimme. Bekannte und weniger bekannte Frauen kommen zu Wort, wie Penelope, Iphigenie, Penthesilea, Theano oder Andromache. Haynes‘ Erzählung beginnt mit dem Ende des trojanischen Krieges. Troja brennt und die Frauen der Besiegten warten am Ufer des Meeres auf ihr weiteres Schicksal. Wie oft haben sie ihre Männer gewarnt und sind nicht erhört worden. Hekabe, die Mutter von Paris, wusste schon bei seiner Geburt, dass ihr Sohn den Untergang Trojas verantworten würde. Doch sie konnte ihr neugeborenes Kind nicht töten. Auch die Warnungen von Paris‘ Schwester Kassandra blieben unbeachtet. Während die Männer im Krieg gefallen sind, drohen den Frauen nun Sklaverei, Vergewaltigung und Heimatverlust. – Haynes erzählt ihre Geschichte nicht chronologisch. Die Gruppe der trojanischen Frauen beschreibt kollektives Leid, während einzelne Frauen über Vergangenes berichten. Penelope schreibt in Briefen an ihren Mann Odysseus über Dinge, die sie von singenden Barden über die Irrfahrten des Helden von Troja gehört hat. Dabei schaut die Muse Kalliope einem männlichen Dichter (Homer?) über die Schulter. Breit empfohlen.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Heldinnen von Troja
Natalie Haynes
dtv (2023)
413 Seiten
kt.