Die späte Ernte des Henry Cage
Es beginnt mit einem Schicksalsschlag: Werbefachmann Henry Cage macht mit seinem achtjährigen Enkel Hal einen Ausflug mit dem Land-Rover. Als er das Fahrzeug mit dem Jungen vor einem Geschäft parkt, um schnell noch etwas zu besorgen, fährt ein junger
Drogenabhängiger damit weg und schleift Hal, der herausspringen will, zu Tode. Vier Jahre vorher verließ Henry die gut gehende Werbeagentur, die er selbst aufgebaut hatte, um sich vorzeitig schon mit 58 Jahren zur Ruhe zu setzen. Doch jetzt fällt Henry plötzlich ins Bodenlose, der Ruhestand entwickelt sich für ihn eher zu einem Albtraum. Henry wird jetzt aber auch klar, dass er sich ändern und anfangen muss, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen, denn dafür bleibt nicht mehr viel Zeit. - Ein beeindruckendes Schriftstellerdebüt des ehemaligen Werbefachmanns David Abbott. Der Autor, der ein Auge fürs Detail hat und der Milieu-Beobachtung und spannungsreiche Dramaturgie glänzend miteinander verbinden kann, wirft in einem ruhigen, aber sehr präzisen Erzählton und mit großem Einfühlungsvermögen einen Blick in die Welt eines Mannes, der erst begreift, was er besaß, als er alles verliert. Seine Charaktere sind liebenswürdig gezeichnet, lebendig und intensiv. Ein unaufdringlicher, geistreicher Entwicklungsroman, anrührend und manchmal auch sehr traurig. Das Buch ist sehr lohnend zu lesen und eine Bereicherung für jede Bücherei (Übers.: Peter Torberg).
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die späte Ernte des Henry Cage
David Abbott
Dt. Taschenbuch-Verl. (2011)
357 S.
kt.