Goodbye Leningrad
Elena Gorokhova, Jahrgang 1955, wuchs in Leningrad auf. Ihre Mutter war Anatomieprofessorin und unter dem Einfluss der Oktoberrevolution und des Zweiten Weltkriegs durchaus überzeugt von der Überlegenheit des kommunistischen Systems, streng und konservativ.
Elena hingegen begeistert sich für die englische Sprache und schon in Kindertagen erkennt sie den himmelweiten Unterschied zwischen der offiziellen Sicht auf die Dinge und dem wahren, trostlosen Alltag. Sie leidet an der Heuchelei und passt sich doch oberflächlich an. Ein amerikanischer Austauschstudent bietet ihr 1979 die Heirat an, damit sie die Sowjetunion verlassen kann. Seitdem lebt Elena Gorokhova in den USA. Ihr Rückblick auf ihre Jugendjahre in der Sowjetunion wirkt wie der Blick in eine fremde, längst vergangene Welt, obwohl Glasnost und Perestroijka gerade mal erst gute 20 Jahre her sind. Teilweise absurd und erschreckend wirkt heute die Zeit des Kalten Kriegs, die marxistisch-leninistische Ideologie, die alle Lebensbereiche durchdringt und den Menschen doch nur einen schäbigen Lebensunterhalt bietet. Das Buch entstand in einem Schreibseminar unter der Ägide von Frank McCourt, der mit seinem Rückblick auf seine Jugendjahre ("Die Asche meiner Mutter") literarisch reüssiert hat, und ist dementsprechend gut zu lesen.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Goodbye Leningrad
Elena Gorokhova
Dt. Taschenbuch-Verl. (2011)
dtv ; 24882 : dtv-premium
416, [8] S. : Ill.
kt.