Drei Leben
Max Mannheimer (geb. 1920), einer der letzten noch lebenden Zeugen des Holocaust, hat seine Lebensgeschichte der Journalistin M.-L. von der Leyen erzählt. Mannheimer spricht von seinem Leben nicht als Einheit, sondern er sieht drei Leben, die - jedes
für sich - das Auf und Ab einer normalen Lebensspanne erfahren durften bzw. mussten. Sein erstes Leben umfasst seine Kindheit und Jugend in Neutitschein (Tschechien), wo er zwar als Jude auch Ausgrenzung und Vorurteile erdulden muss, aber sich doch glücklich fühlt. Zunehmende Einschränkungen, auch Gerüchte zwingen ihn mit seiner Frau, Eltern und Geschwistern zum Umzug nach Ungarisch Brod, von wo sie nach Auschwitz deportiert werden. In Auschwitz, dem Synonym für unvorstellbares Grauen, beginnt sein zweites Leben, das für ihn unmenschliche Härte, teuflische Demütigung und tägliche Todesangst, für seine Familie den Tod bringt. Nach seiner Überstellung nach Dachau erlebt er dort die Befreiung und verlässt das "Land der Täter" in der Überzeugung, nie wieder zurückzukommen. Doch durch die Liebe zu seiner zweiten Frau, einer Deutschen, kehrt er doch zurück und wird nach einer langen Phase des Verdrängens zum Kämpfer gegen das Vergessen, gegen Hass und Vorurteile. Dieses dritte Leben - ausgefüllt mit Vorträgen und Diskussionen - ist geprägt von tiefer Menschlichkeit und vom Glauben an das Gute im Menschen. - Ein wichtiges Buch, das jeder lesen sollte!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Drei Leben
Max Mannheimer ; Marie-Luise von der Leyen
Dt. Taschenbuch-Verl. (2012)
dtv ; 24953 : dtv-premium
215 S. : Ill.
kt.