Genau so, wie es immer war
In diesem 700-Seiten-Roman tauchen wir ein in die Lebenswelt von Julia Ames, die mit ihrem Mann Mark und den zwei gemeinsamen Kindern in einem wohlsituierten amerikanischen Vorort lebt. Von außen betrachtet handelt es sich hier um die perfekte weiße
Upper-Middleclass-Familie, aber schnell stellt sich heraus, dass Julia psychisch ziemlich labil ist und die Beziehung zu ihrem Mann einige Risse aufweist. Auch mit ihrer Teenager-Tochter Alma hat Julia so ihre Probleme. Als der Sohn Ben dann auch noch eröffnet, dass bei ihm große Veränderungen anstehen, gerät ihre Welt noch weiter durcheinander. In nicht-chronologisch-geordneten Rückblenden erfahren die Leser*innen viel über Julias Kindheit und die Verletzungen, die ihren Charakter geprägt haben. Ein zentrales Thema ist Julias schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter. Bis zum Ende ist nicht ganz klar, was eigentlich zwischen den beiden vorgefallen ist. Auch warum die Beziehung zu ihrem Mann Mark so angespannt ist, klärt sich erst im Laufe des Romans. Am Ende setzt sich das Puzzle zusammen und man erhält ein relativ umfangreiches Gesamtbild über das (Gefühls-) Leben von Julia Ames. – Lombardos Stärken liegen in der Beschreibung von zwischenmenschlichen Situationen und Dialogen, die alle sehr realistisch wirken und viele Zwischentöne transportieren. Für Fans von umfangreichen Familienstudien à la Jonathan Franzen absolut empfehlenswert!
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Genau so, wie es immer war
Claire Lombardo ; aus dem Englischen von Sylvia Spatz
dtv (2024)
718 Seiten
fest geb.