Die Genies

Die Freundschaft des peruanischen Literaturnobelpreisträgers Mario Vargas Llosa mit dem kolumbianischen Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez endet nach fast einem Jahrzehnt 1976 abrupt mit einem Faustschlag Marios auf Gabriels Nase. Die Genies „Das ist für das, was du Patricia (seiner Frau) angetan hast.“ Die Ehepaare sind bis dahin viele Jahre befreundet, leben in Barcelona vier Jahre lang in nächster Nachbarschaft und freuen sich – wie zwei unzertrennliche Genies – an ihrem literarischen Erfolg, beide sind eine Zeitlang überzeugte Kommunisten. Der Roman ist dank des peruanisch-US-amerikanischen Romanciers und TV-Moderators Jaime Bayly ein Stück weit „Tratsch und Klatsch“ inklusive süffisanten Details über das Leben dieser Künstler und Literaten. Llosa heiratet erst seine Tante, danach seine Cousine, die er mit dem Model Susana betrügt. Márquez dagegen ist der treue Ehemann, der nur deswegen ins Bordell geht, um dort Interviews für seine Romane zu führen. Bleibt die offene Frage über den berühmtesten Faustschlag der Literaturgeschichte. Hat Márquez die Frau von Llosa verführt oder vergewaltigt? Ist es bloße Eifersucht? Ganz geklärt ist das alles nicht. Aber ein Romancier darf Fakten und Fiktion durchaus ein bisschen mischen. – Nach dieser biografischen, fesselnden und manchmal humorvollen Einstimmung bleibt die Empfehlung: Lest das Original „Die Stadt und die Hunde“ (Llosa) und „Hundert Jahre Einsamkeit“ (Márquez)!

Berthold Schäffner

Berthold Schäffner

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Genies

Die Genies

Jaime Bayly ; aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen
dtv (2025)

335 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 621524
ISBN 978-3-423-28460-8
9783423284608
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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