Aber?
Halsbrecherische Klischees und Humor-Onkelei oder antitoxische Entlarvungen des Zeitgeistes und manieristischer Witz? Die Kritik ist sich uneins über die Einordnung von Max Goldt, der seit Jahrzehnten mit Liedern, Hörbüchern, Comics, Kolumnen und
Glossen auf sich aufmerksam macht: ein bissiger, scharfsinniger Satiriker eben. Aber halt: Diese Kampfzonen weitet Goldt immer wieder geschickt aus. In seinem jüngsten Buch befragt er solche Einstufungen mit einem gewitzten „Aber“: Humor ist nicht da, wenn jemand lacht, Komik hat, anders als der Witz, keine Pointen, und dieser wird allzu häufig mit dem Erzählen von Witzen verwechselt. Humor bewährt sich besonders, da hält es Goldt mit Max Frisch, wenn man mit sich allein ist, weil er da zur Selbstdistanz erzieht. Goldts Beiträge steigen in die Boxringe des öffentlichen Diskurses, ziehen urteilsfreudig zu Felde. Es geht um Pressefreiheit, Homo-Ehe, Frauenfußball, Feminismus, Cancel Culture, mit Konventionen brechend, oft raffiniert überinstrumentiert, manchmal aber auch nah an Klischees wie in dem Dialog zwischen einem penetranten Hipsterpaar und einem älteren Alleinesser im Restaurant, der die Jüngeren mit entwaffnendem Witz decouvriert. Besonders heiter geht es zu, wenn Goldt über seine eigene Präsenz als vielreisender Autor und öffentlich Lesender schreibt. Da zerpflückt er stolpernde Laienrezensionen, entlarvt ihm unterstellte uncharmante Zitate, amüsiert sich über sein unschmeichelhaftes Auftauchen in dem Roman eines Kollegen und beruhigt sich mit Dagobert Ducks Mantra „Heuwägelchen“. Kleine, aber sprachgewichtige Dramolette über die Finessen und Fallstricke des Künstleralltags. Ein Feuerwerk an Heiterkeiten, sehr zu empfehlen.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Aber?
Max Goldt
dtv (2025)
156 Seiten
fest geb.