Schwestern des brennenden Himmels
Ann Miller hat gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in England Dienst an einer Flak geleistet. Nun ist der Krieg zu Ende und in Potsdam treffen sich die Delegierten der Siegermächte, um über die Zukunft Europas zu entscheiden. Ann wird mit anderen der
Frauenabteilung des britischen Heeres nach Berlin geflogen, wo sie sich um die Unterkünfte der britischen Konferenzteilnehmer kümmern sollen. Gleich am Flughafen begegnet ihr der amerikanische GI Jackson Powers und Ann nimmt sich vor, den Kontakt zu vertiefen, da er ihr für ihr geplantes persönliches und geheimes Vorgehen nützlich sein könnte. Als sie noch Kind war, sind ihre Eltern gerade noch rechtzeitig aus Deutschland geflohen. Ihre Herkunft ist ihrem Umfeld jedoch nicht bekannt und sie tut alles, um nicht aufzufallen. Allerdings will sie in den Tagen in Potsdam ihre Verwandten, vor allem ihre geliebte Cousine, finden. Das stellt sich als fast unmöglich heraus, da die Russen ihre Zone streng überwachen und es äußerst gefährlich für eine junge Frau ist, allein in den zerbombten Straßen unterwegs zu sein. Anns Hoffnung ruht auf der Hilfe von Liesel und deren Vater, die sie als Gegenleistung mit Lebensmitteln versorgt. Und natürlich auf Jackson, zu dem sich eine zarte Bindung entwickelt. Wird Ann das Schicksal ihrer Verwandten in Erfahrung bringen und wie wird Jackson reagieren, wenn er erfährt, dass Ann eine Deutsche ist? Ist er doch überzeugt davon, dass alle Deutschen Monster sind. – Der Roman überzeugt durch die gelungene Kombination aus persönlichen Schicksalen und Hintergrundwissen zu den historischen Ereignissen nach Kriegsende angelehnt an die Potsdamer Konferenz. Deutlich werden das Leid der Ausgebombten und Geflüchteten und die persönlichen Auseinandersetzungen mit der Nazi-Vergangenheit. Wie junge Menschen in das System hineingezogen wurden, sollte auch in der heutigen Zeit zu denken geben. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Schwestern des brennenden Himmels
Hanna Caspian
Knaur (2025)
415 Seiten
kt.