Was ich fast vergessen hatte
Lorianne ist verheiratet mit Gaspard. Sie sind ein eingespieltes Team, ihre Ehe plätschert dahin, ohne Höhen und Tiefen. Eines Tages trifft sie die Erkenntnis wie ein Blitz: „Ich liebe ihn anders“. Sie will es ihm sagen, sofort. Er reagiert verwundert,
aber verständnisvoll, fragt nach ihren Wünschen. Erst im Gespräch mit ihm ordnen sich ihre Gedanken. Sie möchte etwas für sich tun, allein: eine Buchhandlung in der Provence eröffnen, in dem Ort, wo sie sich vor 17 Jahren kennengelernt hatten. Gaspard ist einverstanden, entwickelt sofort einen Aktionismus, klickt sich durch Immobilienanzeigen, schreibt Makler an, vereinbart Besichtigungstermine. Lorianne beobachtet ihn dabei, und fühlt sich elend: „Es war erbärmlich, Hilfe von ihrem Mann anzunehmen, den sie auf die Ersatzbank geschickt hatte“ (S. 51), gleichzeitig weiß sie, dass sie sich ohne ihn nicht aufgerafft hätte. - Autorin Claire Stihlé lässt die Leser/-innen an Loriannes Zweifeln teilhaben. Auch als ihre Buchhandlung läuft und sie sich in den attraktiven Amaury verliebt. Ihre Fragen nach der Beständigkeit von Beziehungen und nach der großen Liebe bleiben. - Ein zauberhafter Roman über die Liebe, sehr gerne empfohlen.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Was ich fast vergessen hatte
Claire Stihlé ; aus dem Französischen und mit einem Glossar von Manfred Bauschulte
Droemer (2022)
200 Seiten
fest geb.