Der gute Name unseres Vaters
"An den Leiter des Regionalkomitees der Staatssicherheit. Mit diesem Schreiben möchte ich auf die in meiner Kriegsdienstakte gefundenen Unstimmigkeiten eingehen. Vorausschicken muss ich jedoch, dass meine Kinder und Enkelkinder mich sehr lieb haben
und es ein großes psychologisches Trauma für sie sein dürfte, was ich nun zu berichten gedenke." So beginnt der Brief von Jefim Schulman, den seine Frau Nina im Nachlass findet. Und der Roman arbeitet die Geschichte auf. Im Wechsel werden die von Jefim durchlebten Kriegsjahre von 1941-46 und die Zeit zwischen 1950 und seinem Tod 2007 beschrieben. Wie er während des Kriegs versucht hat zu überleben, immer wieder festgenommen wurde, immer wieder Kompromisse eingehen und aussitzen musste. Und wie der vermeintliche Kriegsheld in den Jahren nach dem Krieg nicht mehr aus der Nummer rauskommt und ständig in der Angst lebt, dass dieses konstruierte Leben als Lüge auffliegt. – Ein beeindruckender Roman und beeindruckendes Zeitdokument, da es auf der Familiengeschichte der Autorin beruht. Eine bewegende Geschichte über Schuld, Erinnerungen und den unbedingten Überlebenswillen eines Mannes. Empfehlenswert.
Jutta Weber
rezensiert für den Borromäusverein.
Der gute Name unseres Vaters
Sasha Vasilyuk ; aus dem Englischen von Johannes Sabinski
Droemer (2024)
398 Seiten
fest geb.