Schwestern wie Ebbe und Flut
Drei unterschiedliche Erzählstränge aus Gegenwart und Vergangenheit werden in diesem Roman miteinander verwoben und erklären sich im Verlauf der Geschichte gegenseitig. Die Urkraft des Meeres und des Wassers wirkt als verbindendes Element zwischen
den einzelnen Teilen. Ergründet wird das Geheimnis von Mira, einer Frau um die 40, die gemeinsam mit ihrer so ganz anders gearteten Schwester Anke zeitweise bei ihren Eltern in Hamburg und zeitweise bei ihrem Onkel Ocko auf der Nordseeinsel Amrum aufgewachsen ist. Als sie sich nach dem Tod des Onkels um dessen Nachlass kümmert und das von den beiden schon lange geplante Projekt eines Treibgut-Museums angehen will, stößt sie auf ein ganz besonderes Fundstück. Mira beginnt zu recherchieren und findet ungeahnte Spuren ihrer eigenen Vergangenheit. Gleichzeitig wird in Berlin die achtzigjährige Friede nach einem Unfall mit bisher verdrängten persönlichen Erlebnissen konfrontiert und macht sich ihrerseits auf die Suche nach Antworten. Werden sich die Wege der beiden Frauen kreuzen und beiden somit endlich Klarheit bringen? - Was etwas schleppend beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einer spannenden Familiengeschichte. Im Lesefluss etwas sperrig sind die sehr häufigen Aneinanderreihungen von Fragesätzen, die leider nicht als Stilmittel überzeugen können. Besonders schön: die Beschreibungen rund ums Wasser, sei es nun die Nordsee oder der Bergsee in Bayern. So intensiv, dass man beides fast sinnlich wahrnehmen kann.
Elisabeth Brendel
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Schwestern wie Ebbe und Flut
Thesche Wulff
Droemer (2023)
399 Seiten
fest geb.