Charlottenburg - die jungen Ärztinnen
Clara ist Anfang des 20. Jh. von Sylt nach Berlin gekommen, um sich in der Charité für ein Studium der Humanmedizin zu bewerben. Sie möchte Gynäkologin werden, um dem Kindbettfieber und ungewollter Kinderlosigkeit den Kampf anzusagen. Bei ihrem
Bewerbungsgespräch lernt sie zwei gleichgesinnte junge Frauen kennen und freundet sich mit ihnen an. Die Frauen haben in der Männerdomäne einen schweren Stand. Zunächst sind sie nur als Gasthörerinnen zugelassen, weil die Männer davon überzeugt sind, dass Frauen geistig und körperlich ungeeignet seien für diesen Beruf. Clara, Ida und Vicki setzen sich durch und als auch in Preußen Frauen zum Studium an Universitäten zugelassen werden, steht ihrem Berufswunsch nichts mehr im Wege. Auch die Liebe lässt nicht lange auf sich warten, aber auch hier gibt es Herausforderungen zu bestehen. Während Ida ungewollt schwanger wird und heiratet, verliert Clara den Mann ihres Herzens zunächst aus den Augen. Vicki hingegen bleibt alleine. Sie hütet lange ein Geheimnis, das sie an die Grenze der Belastbarkeit führt. Ein intriganter, von Neid getriebener Kollege wirft den drei Freundinnen immer wieder Steine in den Weg, was sogar dazu führt, dass Clara und Vicki ins Gefängnis müssen. Alle Höhen und Tiefen schweißen die Frauen fest zusammen und so finden sie immer wieder Lösungen für ihre Probleme. Der Roman spannt den Bogen von 1907 bis 1932 und lässt diese bewegten und schwierigen Jahre mit politischen und sozialen Brennpunkten lebendig werden. Eine spannende Lektüre, die allen Büchereien warm empfohlen werden kann.
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Charlottenburg - die jungen Ärztinnen
Lena Wildenstein
Droemer (2020)
445 Seiten
kt.