Alles, was bleibt
"Du und ich, das bleibt, für immer". Hohle Worte, ausgesprochen am Hochzeitstag von Gesine und Leo. Nun sind 17 Jahre vorbei. Leo hat seine Frau ohne Vorwarnung für eine Jüngere verlassen. Gesine, von Beruf Psychologin, ist geschockt. Nicht einmal
ihr treuester Freund Frank kann sie in irgendeiner Weise trösten. Wie in Trance packt sie ihre Sachen, darunter Erinnerungsfotos, und fährt in ihr Ferienhaus in die Normandie, wo sie liebe Freunde erwarten. Anhand der Aufnahmen lässt sie ihr Leben mit Leo, die vielen Reisen, ihr gemeinsamer Spaß am Gourmet-Kochen und den Schmerz wegen einer Fehlgeburt nochmals an sich vorbeiziehen. Dabei werden ihr die feinen Risse in ihrer Beziehung klar, ihr nicht aufgearbeitetes Kindheitstrauma und ihre Gefühle gegenüber Leo, die zwischen Hass, Verzweiflung, Hoffnung und Liebe schwanken. Am Schluss fügt es sich, dass ein schlimmes Ende oft ein guter Anfang ist. - Dramatik, Innigkeit, Schmerz, Mordgelüste, Freude - die Autorin zeigt viel Gespür für eindrucksvolle Romanfiguren. Die anschaulichen Schilderungen der Normandie und die köstlichen Rezepte am Ende des Buches sind neben dem versierten Schreibstil und dem sorgsam komponierten Plot weitere gute Gründe, dieses außergewöhnlich beeindruckende Debüt zu lesen. Mehr von Annette Hohberg!
Martina Mattes
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Alles, was bleibt
Annette Hohberg
Knaur (2011)
339 S.
fest geb.