Pilgern
Der Pilgerboom der vergangenen Jahrzehnte ist ebenso erstaunlich wie ungebrochen. Auch die Anzahl der Bücher über das Pilgern ist natürlich groß. Innerhalb der spirituellen Pilgerliteratur sticht das Büchlein des Jesuiten Michael Hainz jedoch
durch zwei Aspekte heraus, die für die ganze Reihe "Ignatianische Impulse" typisch sind: zum einen durch die bewusst sehr kompakt gehaltene Form, die auch Interessierten mit wenig Zeit sehr entgegenkommt, zum anderen eben durch die direkte Bezugnahme auf die Spiritualität des heiligen Ignatius von Loyola. Ignatius war nach seiner Bekehrung tatsächlich selbst viele Monate lang auf Pilgereise unterwegs - im 16. Jh. eine tiefgreifende Erfahrung -, durch große Teile Spaniens, mit dem Schiff nach Jerusalem, später nach Rom. Aber er verstand auch in den 18 Jahren seiner Sesshaftigkeit in Rom seine ganze Identität weiterhin als die eines armen Pilgers. Es geht bei Ignatius darum nie um das Pilgern nur als individuelle Erfahrung, sondern um das Pilgern als besondere Möglichkeit, "mit Gott und dem gott-menschlichen Pilger Jesus" in Verbindung zu treten. Am Ende fasst der Autor die Botschaft des Buches zusammen in eine wunderbare Verszeile der Schweizer Pilgerin und Dichterin Hildegard Aepli, die auch im Untertitel des Buches anklingt: Es geht beim Pilgern wie im ganzen Leben letztlich nur um eines: "in Gottes Gegenwart hineinzulaufen". - Ein Buch, das erfahrenen Pilgern neue Aspekte aufzeigen kann, Neupilgern viele wertvolle Hinweise für alle Dimensionen des Pilgerns zu geben vermag und selbst denen, die zwar von einer Pilgerreise träumen, aber in absehbarer Zeit keine Gelegenheit dazu haben werden, eine zum Festhalten dieser Sehnsucht ermutigende Ahnung von den auf dem Pilgerweg zu machenden ganzheitlichen spirituellen Erfahrungen vermitteln wird. (Religiöses Buch des Monats November)
Thomas Steinherr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Pilgern
Michael Hainz
echter (2023)
Ignatianische Impulse ; Band 97
96 Seiten
fest geb.
Auszeichnung: Religiöses Buch des Monats