Der Besucher
Nach dem Zweiten Weltkrieg verfällt der englische Herrensitz Hundred Halls der Familie Ayers zusehends. Das liegt zum einen an der klammen finanziellen Situation, aber auch an den desolaten familiären Verhältnissen. Der Sohn und Erbe Roderick leidet
an den Folgen seiner Kriegsverletzungen, Tochter Caroline wird allmählich zur alten Jungfer und Mrs. Ayers trauert alten, glanzvollen Zeiten hinterher. Der Zufall führt den Landarzt Dr. Faraday in das Haus und er erliegt sofort der Anziehungskraft des Anwesens, auf dem sich merkwürdige und unerklärliche Vorkommnisse häufen. Sind Rodericks häufige Unfälle auf seinen zerrütteten Geisteszustand zurückzuführen oder trachtet ihm jemand nach dem Leben? - Ganz in der Tradition der viktorianischen Schauerromane erzählt die englische Autorin Sarah Waters ihre haarsträubende, düstere Version vom Niedergang einer Epoche. Dabei vermischt sie gekonnt Gesellschaftskritik mit Krimielementen, spürt den Diskrepanzen zwischen niederem Landadel und dem aufstrebenden Kleinbürgertum in der Nachkriegszeit nach und erschafft mit ihrem Ich-Erzähler Dr. Faraday eine Hauptperson, die zwischen allen Stühlen sitzt. Für Liebhaber ruhig erzählter und dennoch spannender Gesellschaftsromane ein Muss! (Übers.: Ute Leibmann)
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
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Sarah Waters
Lübbe Ehrenwirth (2011)
573 S.
fest geb.