Meine Tage mit Fabienne

Das ist ein wirklich pfiffiges Buch. Der Erzähler namens Kannstadt ist ein Mann in den sogenannten besten Jahren - und einem feinsinnigen Gehör. Seine Nachbarn in dem Berliner Mietshaus kennt er dank der Geräusche, die sie machen, im Alltag, beim Meine Tage mit Fabienne Streit, bei der Liebe. Bis eines Tages die deutlich jüngere Hutmacherin Fabienne auftaucht. Sie wirbelt das Leben des "Concierges des Hauses" gehörig auf. Seine Kontrolllust lässt nach, sein Wandlungswille nimmt zu, und das alles ohne die erotische Affäre, die man in handelsüblicher Romanware sonst erwartet hätte. Die überlässt unser Held seinen Nachbarn - nicht ohne Ironie. So wie er Steine an einen anderen Ort zu versetzen pflegt, um damit die Geologen der Zukunft zu irritieren, so bringt ihn Fabienne an einen anderen Ort: nach Palma. Dort sieht er seine "Ruhestörerin" wieder und eröffnet ein illegales Restaurant. In dem Wissen, dass man, mit Rilke gesprochen, das Leben nicht verstehen muss, um glücklich zu sein. Ein charmantes Buch, mit kleinen Kanten und großen Gedanken. Allen Beständen empfohlen.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Meine Tage mit Fabienne

Meine Tage mit Fabienne

Hubertus Meyer-Burckhardt
Lübbe (2016)

219 S.
fest geb.

MedienNr.: 585434
ISBN 978-3-431-03953-5
9783431039535
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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