Die letzte Reise der Meerjungfrau
Der Kaufmann Jonah Hancock wartet 1785 in London auf die Rückkehr seines Schiffes aus Ostasien, doch das hat sein Kapitän verkauft, um mit dem Erlös eine kostbare tote Meerjungfrau zu erstehen, da seiner Meinung nach Hancock bei Ausstellungen mit
ihr ein Vermögen verdienen kann. Wirklich reißen sich die Londoner darum, dieses hässliche tote Wesen anzuschauen. Als Mrs. Chappell, Besitzerin eines Edelbordells, die Seejungfrau ausstellen will, ist Hancock von den unanständigen Szenen im Bordell äußerst schockiert, doch lernt er dort die schöne Edelkurtisane Angelica Neal kennen und möchte sie für sich gewinnen. Die sucht zwar einen reichen "Förderer", will Hancock aber nur "erhören", wenn er ihr eine eigene Meerjungfrau bringt. Wider Erwarten gelingt dies Hancock, und Angelica, mittlerweile vom neuen "Förderer" verlassen und völlig mittellos, heiratet Jonah Hancock und findet Sicherheit im Eheleben. Doch dies ist durch das abgrundtief traurige Wesen der zweiten Meerjungfrau bedroht. - Ein opulenter, sinnlicher, manchmal etwas langatmiger Gesellschaftsroman mit fantastischen Elementen und starken Frauenfiguren: neben Angelica besonders die fast groteske Gestalt der Bordellwirtin Mrs. Chappell und die sympathische und patente Sukie, Hancocks Nichte, erzählt aus wechselnden Perspektiven in kunstvoller Sprache. Ab mittleren Beständen gern empfohlen. (Übers.: Angela Koonen)
Gudrun Eckl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die letzte Reise der Meerjungfrau
von Imogen Hermes Gowar
Lübbe (2018)
556 S.
fest geb.