Die Kolonie
In diesem Vampir-Thriller müssen die Lesenden mit der als Selbstverständlichkeit dargestellten Prämisse leben, dass Menschen mehr schlecht als recht nebeneinander mit Vampiren leben. Detective Barbara Atkins, die auch forensische Vampiranthropologin
ist, wird zur Überprüfung der Ermordung des Jugendlichen Marcus Anderson von New York nach Deadhart, einem kleinen Ort in Alaska, geschickt. Von ihren Ermittlungen hängt es ab, ob juristisch erlaubt werden soll, die benachbarte Vampir-Kolonie auszulöschen, falls zweifelsfrei bewiesen ist, dass der Mord aus der Mitte der Vampire begangen wurde. Der Jugendliche wurde auf eine bestialische Weise ermordet, was auf einen Vampir zu deuten scheint. Jedoch kommen Barbara schnell Zweifel. Damit macht sie sich viele Feinde, so beim örtlichen Sheriff und der fanatischen Geistlichen Colleen Grey, die das Böse in den Vampiren sieht. Barbara stellt fest, dass vor 25 Jahren bereits der Jugendliche Todd ermordet wurde, weshalb damals der für schuldig befundene junge Vampir Aaron gelyncht und alle Vampire in ihrer Kolonie ermordet wurden. Der ehemalige Sheriff Tucker konnte damals die Massentötung der Vampire nicht verhindern. Deshalb hilft er nun Detective Atkins, den alten und den neuen Mordfall aufzuklären. Es bleibt nicht bei dem einen Toten. Zudem stellt sich heraus, dass es in Deadhart auch unentdeckte Vampir-Halblinge gibt. Wem kann Barbara trauen? – Der Thriller bietet beim Lesen zwei Ebenen an: die des spannenden Thrillers mit Ekelmomenten, wenn beschrieben wird, wie die Leichen zugerichtet wurden – und die, die beschreibt, wie Diskriminierung und Rassismus Randgruppen gegenüber funktioniert. Bei Bedarf an ungewöhnlichen Thrillern.
Helmut Lenz
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Kolonie
C.J. Tudor ; Deutsch von Marcus Ingendaay
Goldmann (2025)
475 Seiten
kt.