Die Nacht des Verfolgers
Seit ihrer Flucht aus Santa Fe schlägt sich Andi von einer Stadt zur anderen durch - bis sie schließlich in Kingdom in North Dakota landet. Dort fühlt sie sich wohl wie schon lange nicht mehr. Sie beschließt zu bleiben und besorgt sich einen Job
auf der Farm von Jim Purley. Allerdings befindet sich in der Nachbarschaft dieser Farm ein riesiger Schweinemastbetrieb, der sofort ihr Missfallen erregt und ihr wieder Anlass gibt, für die Rechte von Tieren einzutreten. Als dann auch noch der ominöse Waylan in Kingdom auftaucht, der sie angeblich von früher kennt und Informationen von ihr will, von denen sie gar nicht weiß, dass sie sie haben könnte, muss sie sich erneut ihrer Vergangenheit stellen. - Leider ist aus den Handlungssträngen, die die Autorin breit auslegt, kein Krimi geworden, eigentlich noch nicht einmal ein schlüssiger Roman. Die Charaktere bleiben ungewöhnlich blass, der Plot wirkt sehr konstruiert und lässt zu viele Fragen offen. Wer Martha Grimes als Autorin intelligenter und durchaus spannender Kriminalromane zu schätzen gelernt hat, der wird hier enttäuscht werden. Wer eine Geschichte zu schätzen weiß, die 'Erinnerung verloren und nun auf dem Weg zu sich selbst' genannt werden könnte, dem wird durchaus unterhaltsam der weitere Weg des 'Mädchens ohne Gedächtnis' vor Augen geführt und damit die Figur der Andi Oliver in vielen Facetten geschildert. Solide Unterhaltung ohne besondere Höhen oder Tiefen. Für alle Bestände geeignet. (Übers.: Cornelia C. Walter)
Jutta Weber
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Nacht des Verfolgers
Martha Grimes
Goldmann (2011)
477 S.
fest geb.