Die Frauen der Familie Carbonaro
Obwohl ihr Vater, ein Mafioso, die 1884 geborene Pina bereits als Kind vergewaltigt, heiratet Pina gegen seinen Willen den Zitrusfrüchtehändler Barnaba (s. "Terra di Sicilia", BP/mp 22/425). Nachdem von ihren 23 Kindern nur fünf überleben und Barnaba
sich bald geschäftlich viel in München aufhält, setzt sich Pina als Oberhaupt der Familie durch. Wie sie, so haben auch ihre Schwiegertochter Anna und ihre Enkelin Maria magische Kräfte, die sie im sizilianischen Aberglauben als starke Frauen auszeichnen. Anna emigriert zu ihrem Mann nach München, um ihren Kindern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Aus der Sicht seiner realistisch gezeichneten Frauenfiguren erzählt Giordano in mosaikartiger Erzählweise von deren Emanzipation aus ihrer patriarchalisch-archaisch geprägten Welt. Auch greift er die Probleme von Migranten auf, die, von ihrer Heimat entwurzelt, eine andere Identität finden müssen. Diese spannende Story wirkt authentisch, weil Giordano dem Roman einen Stammbaum der Familie Carbonaro voranstellt und das soziale und politische Geschehen, das seine drei Frauen umgibt, mit einbezieht. Dazu trägt auch das Glossar am Ende des Buches bei, in dem die im Text verwendeten italienischen Begriffe erläutert werden.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Frauen der Familie Carbonaro
Mario Giordano
Goldmann (2024)
Die Carbonaro-Saga ; [2]
510 Seiten
fest geb.