Ungleich behandelt
Sabina Schwachenwalde ist Ärzt*in und Aktivist*in, setzt sich ehrenamtlich für gesundheitspolitische Themen ein und kennt seit einer Post-Covid-Erkrankung auch die andere Seite der Medaille als Patient*in. Sie klopft in ihrem Buch verschiedene Bereiche
und Themen auf Diskriminierungen in vielfältiger Weise und in vielen Bereichen hin ab. Basierend auf geschichtlichen Fakten wie der Hexenverfolgung, die Frauen aus Bereichen des Heilens und der Geburtshilfe verdrängten, und des Kolonialismus, der auch durch deutsche Politik viel Schaden in den kolonial besetzten Ländern anrichtete und im Gesundheitswesen widerrechtliche wirtschaftliche Nutzung von medizinischem Wissen und Medikamenten zur Folge hatte, kommt die Autorin in der Folge zu vielen anderen etablierten Bereichen der Medizin, die immer noch von Männern beherrscht und in denen Menschen, die nicht der gängigen Norm entsprechen, Rassismus und Diskriminierung erfahren. Sie belegt das mit vielen Beispielen und Tatsachen; angefangen mit Forschungsergebnissen, die sich ausschließlich am männlichen Körper orientieren, oder dass es kaum Untersuchungen darüber gibt, wie sich viele Krankheitsbilder auf schwarzer Haut darstellen oder die Zweiklassenmedizin in Krankenhäusern, die viele Menschen benachteiligt, und der wirtschaftliche Faktor bei der Arbeit von Krankenhäusern, der den Patienten hintanstellt und Ärzte, besonders aber auch Pflegepersonal ausbeutet und wenig wertschätzt. Die konzentrierte Darstellung der vielen Kritikpunkte in unserem Gesundheitssystem machen betroffen und sollen Debatten anstoßen und tatsächliche Änderungen herbeiführen. Dabei kann dieses engagierte und gut lesbare Buch eine Hilfe sein und sollte vielen Leser:innen zur Verfügung stehen. Wegen der Aktualität und Bedeutung des Themas unbedingt empfohlen.
Annemarie Schreibert
rezensiert für den Borromäusverein.
Ungleich behandelt
Sabina Schwachenwalde
Goldmann (2024)
316 Seiten
kt.