Jedes fünfte Kind
Arme Menschen in unserer Gesellschaft nehmen wir oft nicht wahr, weil sie sich schämen und keine Lobby haben. Zunächst definiert Boldebuck Armutsbegriffe. In Deutschland gibt es keine primäre Armut, niemand muss hungern. Aber 20 Prozent der Kinder
können nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und damit gehen der Gesellschaft, auch gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, große Potentiale verloren. Deutschland ist nach wie vor eine Klassengesellschaft. Diese wird durch das Bildungssystem manifestiert. Kinder aus armen Haushalten erreichen niedrigere Bildungs- und Berufsabschlüsse als Kinder aus wohlhabenderen Haushalten. Und damit verbleibt ein großer Prozentsatz in der Armut. Arme Eltern haben kein Geld für Nachhilfe oder Hobbies, können sich das Taschengeld auf der Klassenfahrt nicht leisten und ihre Kinder nicht gut bei den Hausaufgaben unterstützen, für die auch die erforderlichen Mittel wie Laptop oder Tablet fehlen. Trotzdem machen Kinder wie Eltern fast alles, um die Armut zu kaschieren. Derweil werden Millionen von Kindern und Jugendliche gesellschaftlich abgehängt. Die Autorin will auch Lösungsmöglichkeiten aufzeigen: Gerechter Zugang zu Bildung und Kultur, Vorbilder und Unterstützung für die ganze Familie. Das alles kostet Geld. Doch Boldebuck stellt klar: Nichts tun ist viel teurer. – Ein gut lesbares und sehr bedenkenswertes Sachbuch. Auch Büchereien sollten ein Ort mit niedrigschwelligem Bildungszugang für alle Kinder sein. Deshalb passt dieses Buch sehr gut in alle Bestände.
Dorothee Rensen
rezensiert für den Borromäusverein.
Jedes fünfte Kind
Catrin Boldebuck
Goldmann (2024)
255 Seiten
kt.