Krieg ohne Ende?
Michael Lüders nimmt den Überfall der Hamas auf Israelis (über 1000 Opfer) zum Ausgangspunkt seiner Analyse. Er beschreibt auch den Konsens der Verurteilung und des Mitgefühls in Deutschland. Uneingeschränkt stehen Medien und Politik hinter Israel.
Dies hängt mit der deutschen „Staatsräson“ und dem Holocaust zusammen, was mit seinen Worten zu einer „Überidentifikation“ mit dem jüdischen Staat führt. Diese Haltung ist wie eine Absolution für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Wenn er die Regierung Netanjahu und seinen Vernichtungsfeldzug im Gazastreifen kritisiert, hat das nichts mit Antisemitismus zu tun. Die Rüstungsexporte Deutschlands führen zu einem Imageverlust im globalen Süden, der noch schlechter ist als der der USA. „Deutschland steht auf der falschen Seite der Geschichte.“ Lüders zeigt historische Zusammenhänge, Hintergründe und Ursachen des Nahost-Konflikts auf. Zwei Lösungen für einen dauerhaften Frieden sind möglich: eine Teilung Israels und daneben ein unabhängiger Staat Palästina oder eine binationalistische Lösung in einem gemeinsamen Land für Juden und Nichtjuden. – Der Autor (lange Nahost-Korrespondent für die ZEIT und ehem. Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft) wirbt für Gerechtigkeit und Ausgleich. Ein Buch, das keine Denkverbote kennt.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Krieg ohne Ende?
Michael Lüders
Goldmann (2024)
399 Seiten : Karten
fest geb.