Wiegenlied für kleine Ganoven
Eigentlich ist Baby aus Montreal erst zwölf, aber das Leben verlangt ihr Dinge ab, die sie eigentlich noch gar nicht will. Ihre Mutter starb früh, ihr Vater war bei ihrer Geburt selbst erst 15 und ist als Heroinsüchtiger mit der Erziehung eines
Kindes völlig überfordert. So ist Baby oft auf sich allein gestellt und versucht, die Erwachsenen nachzuahmen, um zu überleben. Die Folge sind Alkohol, Drogen und Prostitution. Doch es gibt auch Lichtblicke in ihrem Leben. Sie selber sagt: "Die Kindheit ist das Kostbarste, was einem im Leben weggenommen wird, wenn man darüber nachdenkt." - Es ist mitunter einfach nur schockierend, was Baby alles verkraften muss. Vermeintliche Zuneigung führt zu Prostitution, Drogen sind selbstverständlicher Bestandteil des Alltags, von einem normalen Familienleben bekommt sie nur dann eine Ahnung, wenn der Vater sie wegen des zigsten Entzugs wieder einmal irgendwo parken muss. - O'Neill erzählt diese traurige Geschichte konsequent aus Babys Sicht, mit all der Naivität eines jungen, eigentlich blitzgescheiten Mädchens. Der Roman vermittelt einen mitunter schwer erträglichen Einblick in die Randgruppen unserer westlichen Zivilisation und ist für zartbesaitete Leser nicht zu empfehlen. Lesenswert ist er dennoch und in ausgebauten Beständen daher möglich. (Übers.: Astrid Finke)
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Wiegenlied für kleine Ganoven
Heather O'Neill
btb (2012)
btb ; 73990
412 S.
kt.