Erschieß die Apfelsine
Wie wird man eigentlich zum Amokläufer? Diese Frage könnte hinter der Geschichte gestanden haben, die Mikael Niemi erzählt. Der 16-jährige Hauptdarsteller rast mit bemerkenswerter Geschwindigkeit Richtung Abgrund. Mit seltsamen Selbsterfahrungsversuchen
will er dem Leben und dessen Selbstverständnis auf die Spur kommen. Mit Extremen will er sein Umfeld aus der Reserve locken, sich bloßstellen und nach Belieben Hass und Verachtung verteilen. Mobbing in der Schule, seelische Verwahrlosung zu Hause, ein verschlossener Einzelkämpfer auf weitem Feld - nur Palle, seinem einzigen Freund, hat das Schicksal scheinbar noch prügelnde Eltern beschert. Was könnte sie davon abhalten blind zurückzuschlagen? Düster und kalt wie der polare Winter ist Niemis Geschichte, die so leicht und unschuldig mit einer verschmähten Teenagerliebe beginnt. Das Verbot, welches in Dänemark zunächst für das Buch ausgesprochen wurde, lässt schon erahnen, welch düstere Geschehnisse sich in ihm verbergen. (Übers.: Christel Hildebrandt)
Daisy Liebau
rezensiert für den Borromäusverein.
Erschieß die Apfelsine
Mikael Niemi
btb (2011)
288 S.
fest geb.