Die Hummerschwestern
Sie sind noch kleine Mädchen, als ihre Mutter stirbt. Idella und Avis wachsen bei ihrem verwitweten Vater auf, der den Verlust seiner Ehefrau in Alkohol ertränkt. Über einfache Dienstbotenstellen gelangen die zwei sehr unterschiedlichen Schwestern
in die nordöstlichen Bundesstaaten der USA. Idella heiratet Eddie Jensen, ein Einwanderer dänischer Abstammung, und lebt ein eher unaufgeregtes Leben als Besitzerin eines Lebensmittelladens. Avis, das heftigere Temperament, hat dagegen kein Glück mit Männern, landet wegen einem sogar im Gefängnis und durch das negative Vorbild ihres Vaters im Alkoholismus. Schlüsselszene des Romans ist der abenteuerliche Transport des verstorbenen Vaters in seine Heimatgemeinde, bei übelstem Wetter. Während die Trauergäste warten, erhalten durch ihre Gespräche die Jugenderinnerungen der zwei Schwestern die fehlende Perspektive aus Erwachsenensicht. - Die vor Vollendung des Romans verstorbene Autorin scheint eine Nachfahrin der Protagonistinnen zu sein. Das posthum herausgegebene Buch versucht, zwei Frauenschicksale der Familie aus deren schwerer Kindheit zu erklären. Idella wird dabei die Rolle der Dulderin zugeschoben, während Avis für Lebenslust und Gefahr steht. In der veröffentlichten Fassung wirkt der Roman etwas brüchig; die Frauen und auch einige andere auftretende Personen sind nicht eindeutig einzuordnen. Eine verherrlichende Familiensaga hat Jensen wohl nicht beabsichtigt. So ist das Buch wohl nur scheinbar der einfachen literarischen Kost zuzuordnen. (Übers.: Beate Brammertz)
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Hummerschwestern
Beverly Jensen
btb (2012)
479 S.
fest geb.